Der größte in Betrieb befindliche Batteriespeicherverbund Deutschlands ist offiziell eingeweiht. Münch Energie hat die Anlage bei Leuna/Krumpa im Saalekreis zusammen mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze in Betrieb genommen. Die Leistung: 250 Megawatt, die Speicherkapazität rund 500 Megawattstunden – und sie soll noch dieses Jahr auf 800 Megawattstunden wachsen.
Die Versuchung ist groß, das als reines Industrie-Thema abzulegen. Ein Großspeicher im Saalekreis hat auf den ersten Blick nichts mit dem eigenen Kellerakku zu tun. Tut er indirekt aber mehr, als die meisten Meldungen dieser Art vermuten lassen – der Hebel läuft über den Strompreis und die Netzkosten, die jeder Haushalt mitbezahlt.
Der Mechanismus ist einfach erklärt: Produzieren Wind- und Solaranlagen mehr Strom, als das Netz aufnehmen kann, müssen Betreiber drosseln. Wird diese Überproduktion stattdessen in Speicher gepumpt und später abgegeben, glätten sich Preisspitzen, und der Druck auf den Netzausbau sinkt. Genau dieser Ausbaudruck und dessen Kosten landen am Ende in den Netzentgelten – dem Posten, der auf der Haushaltsstromrechnung einen immer größeren Anteil ausmacht.
Was diese Anlage aus Verbrauchersicht heraushebt: Sie kam ohne staatliche Förderung aus. Finanziert wurde der Verbund privatwirtschaftlich, die Bauzeit lag bei rund sechs Monaten. Das unterscheidet sie von vielen Netz- und Speicherprojekten, deren Kosten über Umlagen und Entgelte breit gestreut werden.
Die Einordnung gehört dazu. 500 Megawattstunden klingen imposant – für eine Dunkelflaute, in der über mehrere Tage zu wenig Wind und Sonne wehen, bräuchte es ein Vielfaches, verteilt auf viele solcher Projekte. Diese Meldung ist ein sichtbares Startzeichen für die Großspeicher-Infrastruktur in Deutschland. Ein Abschluss ist sie nicht.
Für Hausbesitzer, die über eine eigene PV-Anlage mit Batterie nachdenken, bleibt der Eigenverbrauch der entscheidende Rechenwert – daran ändert sich nichts. Der wachsende Markt großer Speicher wirkt jedoch auf die Preisarchitektur am Strommarkt. Ob und wann das die heimische Wirtschaftlichkeitsrechnung berührt, muss sich zeigen. Derzeit gilt: Die Rechnung ist eine andere, das Ziel – Strom speichern, statt zu verschenken – dasselbe.
(Bildrechte: Münch Energie)